Studio Journal | issue 09/26 — Burrowcore: Warum dein Zuhause wieder Spuren tragen darf

slow.living — Studio Journal

Notes from the studio, the store & real homes.

 

Editorial

Meine Lieben,

die Tage werden kürzer, die Abende länger – genau die richtige Zeit, um es sich drinnen wieder gemütlicher zu machen. In dieser Ausgabe geht's um einen Trend, der eigentlich gar keiner ist, sondern nur bestätigt, was ich schon lange sage: Ein Zuhause muss nicht makellos sein, um schön zu sein.

Herzlich,

Franziska

Kleiner Hinweis zum Format:
Im Newsletter bekommst du die Kurzversion – und hier im Studio Journal die ruhige Langversion zum Nachlesen und Eintauchen.

 
 

Studio Notes

the designer says…

 

Braun – die neue, alte Interior-Farbe

Sie galt jahrelang als verstaubt und altbacken und erlebt nun ein fulminantes Comeback: die Farbe Braun. Richtig in Szene gesetzt, ist sie eine meiner Lieblingsfarben – und das nicht erst seit kurzem.

"Braun galt jahrelang als verstaubt. Richtig in Szene gesetzt, ist es eine meiner Lieblingsfarben."

Kombiniert mit Crème oder Off-White wirkt ein erdiges, mattes Braun sofort warm und ruhig. Mit einem zarten Rosa bekommt es fast etwas Zärtliches. Und neben Taubenblau zeigt ein sattes Kaffeebraun, wie viel Tiefe in dieser Farbe steckt.

 

THE STORY

Burrowcore - dein Zuhause darf wieder Spuren tragen

 

Es gab Jahre, in denen ein Zuhause vor allem eines sein musste: makellos. Aufgeräumt für die Kamera, glattgezogen für Instagram, jede Tasse verschwunden, bevor jemand hinschaut. Jetzt kippt das Pendel zurück, und die Designwelt hat dafür einen Namen gefunden: Burrowcore. Abgeleitet vom englischen Wort für Bau oder Unterschlupf, beschreibt er jene behaglichen, ein bisschen wilden Räume, in denen Bücher, Fundstücke und textile Wärme nebeneinander bestehen dürfen, ohne sich zu einem perfekten Set zu fügen.

"Menschen sehnen sich nicht nach dem perfekten Raum. Sie sehnen sich danach, dass ein Raum sich wie ihrer anfühlt."

Ich lese das nicht als neue Ästhetik von aussen. Ich lese es als Bestätigung von etwas, das ich in meiner Arbeit seit Jahren spüre und erlebe.

Eine alte Sehnsucht mit neuem Namen

Burrowcore ist nicht die erste Bewegung, die sich gegen die Kälte der Perfektion stellt. Schon in den 80er-Jahren beschrieb die Trendforscherin Faith Popcorn das Cocooning – den Rückzug aus einer als unberechenbar empfundenen Aussenwelt. Hygge machte Wärme und Nähe zum Exportschlager, Cottagecore romantisierte das Landleben, Cluttercore erhob das sichtbar Gesammelte zum Prinzip. Burrowcore zieht diese Sehnsucht noch einen Schritt tiefer ins Private: weniger Inszenierung, mehr Gefühl. Es geht nicht mehr um ein Bild, das ein Zuhause abgibt, sondern um das Gefühl, das es macht, wenn man die Tür hinter sich schliesst.

Was das für die Gestaltung bedeutet

Konkret zeigt sich das in Details, die ich meinen Kundinnen und Kunden schon lange ans Herz lege:

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Ungleiche Epochen dürfen sich einen Raum teilen
Ein Stück aus einer anderen Zeit neben einem neuen Möbel erzählt mehr als ein durchgestyltes Ensemble – solange am Ende alles zueinander findet. Genau das ist für mich als Interior Designerin die eigentliche Aufgabe: nicht Makellosigkeit, sondern eine ganz persönliche, eigene Welt, die trotzdem in sich stimmig ist.

02-

Oberflächen dürfen altern
Ein Naturmaterial, das Patina ansetzt, wirkt lebendiger als eine Fläche, die für immer neu aussehen soll.


03-

Persönliche Fundstücke gehören ins Bild, nicht in die Schublade
Ein Buchstapel, ein Erbstück, ein Objekt von der Reise – das sind die Dinge, die einen Raum unverwechselbar machen.

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Planung darf Raum für Zufall lassen
Nicht jede Ecke muss fertig gedacht sein. Manchmal ist die Lücke, die noch gefüllt wird, das Interessanteste an einem Zuhause.


Genau das ist auch der Gedanke hinter meinem Concept Store: Ich suche keine Deko, die einfach nur gut aussieht. Ich suche Stücke, die das Zeug haben, zu Lieblingsstücken zu werden – Dinge, die einen durchs Leben begleiten, an denen man sich nicht sattsieht, und die mit den Jahren nur noch mehr zu einem gehören.


Geborgenheit ist kein Stil, sondern eine Haltung

Was mich an dieser Entwicklung besonders freut: Sie verschiebt den Massstab. Es geht nicht mehr darum, ob ein Raum "stimmt" im Sinne eines Hochglanz-Katalogs, sondern ob er sich stimmig anfühlt für die Menschen, die darin leben. Genau das ist die Frage, mit der ich in jedes Erstgespräch gehe.

Nicht: Was ist gerade im Trend? Sondern: Was erzählt dieser Raum über dich? Was willst du fühlen, wenn du ihn betrittst?

Ob dein Zuhause gerade zu glatt geworden ist, sich noch gar nicht wie deines anfühlt, oder einfach seit Jahren nicht mehr zu dir passt – die Frage bleibt dieselbe: Was würde diesen Raum wieder zu einem Rückzugsort machen? Manchmal ist es ein Stück mit Geschichte. Manchmal ein völlig neuer Ansatz. Manchmal nur der Mut, eine Ecke unperfekt zu lassen

 
 


spaces & objects

diese stücke tragen genau diese burrowcore-stimmung in sich

 

Kissen von Norm Architects in erdigen Brauntönen – schlicht in der Optik, unglaublich weich in der Haptik. Dazu handgegossene Pilze von Naturform aus einer kleinen Schweizer Manufaktur, jeder ein Unikat mit eigener Patina, grosse schwarze Vintage-Holzschalen – eines meiner persönlichen Lieblingsstücke – und Mousseline-Plaids in warmen Tönen, zum Einkuscheln gemacht.

So setzt du diese Stücke im Burrowcore-Style in Szene

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Kissen mischen Verschiedene Erdtöne der Kissen kombinieren statt nur einen – das wirkt organischer gewachsen statt wie ein fertig gekauftes Set.

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Patina zusammenspielen lassen Die Naturform-Pilze z.B. neben der Vintage-Holzschale gruppieren – zwei Stücke mit eigener Geschichte, die sich gegenseitig verstärken.

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Plaid werfen, nicht falten Das Mousseline-Plaid locker über die Kissen oder eine Lehne drapieren statt ordentlich zusammenzulegen – genau diese Unordnung macht den Unterschied.




shop edit — burrowcore

Wie immer: alles bei mir im Laden zu finden… Zum Anfassen gemacht, nicht zum Anklicken.

 

SLOW NOTE

Marroni-Mousse mit Trauben

Marronen-Purée, zarte rosa Trauben - gemeinsam unschlagbar aromatisch.

Diese Mousse ist eine herrlich zart-herbe Offenbarung. Das erdige der Kastanie gepaart mit dem süss-spritzigen des Traubenkompottes… Der Schlemmerherbst darf definitiv kommen.

Zutaten für 4 personen

  • 250g Marroni-Purée (gibt es fix fertig für die Zubereitung von Vermicelle)

  • 2 El Zucker

  • 1 Vanillestängel

  • 100 gr Crème frâiche

  • 1 dl Vollrahm

  • 250 g rosa Trauben (blau geht auch)

  • 1-2 El Zucker

  • der ausgekratzte Vanillestängel

  • 2dl Moscato d’Asti (oder ähnlicher Süsswein)

Zubereitung

Mousse
Marroni-Purée, Zucker sowie ausgekratze Vanille gut verrühren. Crème frâiche beifügen, Vollrahm steif schlagen, Rahm vorsichtig unter die Mousse heben, 2 Stunden kühl stellen.

Trauben
Trauben halbieren und entkernen, in einer Pfanne zusammen mit dem ausgekratzen Vanillestängel und dem Zucker erwärmen, gelegentlich umrühren. Nach ein paar Minuten mit Moscato ablöschen. Ein paar Minuten weiterköcheln, bis die Flüssigkeit anfängt dickflüssiger zu werden, abkühlen.

Anrichten
Ein paar Trauben zur Seite legen und den Rest in Gläser verteilen. Mousse darüber geben und mit den restlichen Trauben dekorieren.

 

 

Back cover

come home. slow down.

 
 

Wenn du spürst, dass es Zeit ist für weniger Provisorium und mehr Zuhause: Schreib mir – wir finden eine stimmige Lösung.

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