Studio Journal | issue 10/26 — Wo Licht ist, ist auch Schatten

slow.living — Studio Journal

Notes from the studio, the store & real homes.

 

Editorial

Meine Lieben,

mit der Zeitumstellung wird es schon früh dunkel. Und plötzlich merkt man, dass ein Raum nicht nur aus Möbeln besteht, sondern auch aus Licht. In dieser Ausgabe geht es um das, was in den dunklen Monaten den grössten Unterschied macht: wie gutes Licht einen Raum formt, was es mit uns macht und wie du es bei dir zuhause umsetzt.

Herzlich,

Franziska

Kleiner Hinweis zum Format:
Im Newsletter bekommst du die Kurzversion – und hier im Studio Journal die ruhige Langversion zum Nachlesen und Eintauchen.

 
 

Studio Notes

the designer says…

 

Cestita | Santa & Cole

Schön allein reicht nicht

Bei Leuchten verliebe ich mich schnell, in eine Form, ein Material, einen Schirm. Trotzdem frage ich mich bei jeder Leuchte zuerst: Was soll sie tun? Eine Leuchte muss nicht nur schön sein, sie muss auch ihren Zweck erfüllen. Und ein Raum braucht immer mehr als eine Lichtquelle.

Grundlagen der Lichtplanung

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Vier Lichtquellen für jeden Raum
Allgemeine Beleuchtung, damit man sich im Raum zurechtfindet. Arbeitslicht dort, wo man etwas tut: in der Küche, beim Lesen, am Schreibtisch. Punktlicht, ein Strahler, der etwas Schönes betont. Und Stimmungslicht: kleine Leuchten, Kerzen oder Lichterketten für gedämpftes, gemütliches Licht

Damit ein Raum wirklich stimmungsvoll wird, reicht eine Leuchte pro Art nicht. Ich rechne mit fünf bis sieben Lichtquellen pro Raum. Nebst der allgemeinen Beleuchtung und dem Arbeitslicht setze ich gerne mehrere Stimmungslichter ein: Tischleuchten, kleine Leuchten in einem Regal, Kerzen oder ein schön beleuchtetes Bild.

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Direkt, indirekt, diffus
Ich mische die Lichtarten. Direktes Licht richtet sich auf einen Punkt - als Spot, als Hängeleuchte mit lichtdichtem Schirm, als Leselicht. Indirektes Licht wird über Wand oder Decke reflektiert und wirkt weich - z.B. als Wandleuchte, welche direkt die Wand anstrahlt, als Deckenstrahler oder als LED-Lichtband. Diffuses Licht strahlt durch einen Schirm gleichmässig in alle Richtungen. Erst zusammen ergeben sie einen Raum mit Tiefe.

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Auf den Schatten achten
Beim Arbeitslicht entscheidet der Schatten. Mit einer Deckenleuchte in der Küche stehst du dir beim Gemüseschneiden selbst im Licht. Das Licht muss von vorne kommen, etwa von einer Leuchte unter den Oberschränken. Am Schreibtisch gilt dasselbe: Wer rechts schreibt, braucht das Licht von links, sonst schreibt die Hand im eigenen Schatten.

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Die richtige Lichtfarbe
Gemessen wird sie in Kelvin. Je tiefer die Zahl, desto wärmer das Licht. Für den Abend und das Stimmungslicht wähle ich 2200 bis 2700 Kelvin, das kommt dem Kerzenlicht nahe. Für das Arbeitslicht passen 3000 bis 4000 Kelvin, klarer, aber noch angenehm. Diese Angaben finden sich übrigens immer auf den Verpackungen der Glühbirnen.

Meine Beleuchtungstricks

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Eine Leuchte neben dem Fernseher
Ein helles Fernsehbild in einem dunklen Raum ist ein harter Kontrast für die Augen. Eine kleine Lichtquelle neben dem TV entschärft ihn, und der Fernsehabend wird gleich entspannter.

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Bilder von der Seite beleuchten
Ein Spot, der frontal auf ein Bild gerichtet ist, spiegelt und kann die Farben verfälschen. Ich platziere den Spot deshalb, wenn immer möglich, seitlich neben dem Bild, mit mindestens einem Meter Abstand. Bilder hinter Glas hänge ich zudem nicht gegenüber von Fenstern oder Hängeleuchten auf.

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Auch die Küche liebt Stimmungslicht
Das Licht in der Küche ist meist ganz aufs Arbeiten ausgerichtet, Stimmung bringt es keine. Eine hübsche Tischleuchte neben der Kaffeemaschine, im Regal oder auf der Kochinsel ändert das sofort. Und wenn du später am Esstisch sitzt und das Arbeitslicht ausgeschaltet ist, bleibt die Küche nicht ein dunkles Loch oder ein grell ausgeleuchteter Bereich. Sie bekommt eine warme Atmosphäre und gibt dem ganzen Raum Tiefe. Und auch während man in der Küche arbeitet, entsteht mit einem Stimmungslicht eine ganz andere, entspanntere Atmosphäre. Kleiner Trick - ganz grosse Wirkung. Unbedingt ausprobieren!

 

THE STORY

Wo Licht ist, ist auch Schatten

 

Mit der Zeitumstellung wird es schon früh dunkel. Und plötzlich merkt man, dass ein Raum nicht nur aus Möbeln besteht, sondern auch aus Licht.

Wenn ich einen Raum gestalte, denke ich das Licht von Anfang an mit. Es ist kein Zubehör, das am Schluss noch dazukommt. Licht entscheidet, wie gross ein Raum wirkt, wo wir uns gerne hinsetzen und was wir überhaupt wahrnehmen.

Was Licht im Raum schafft

Lichtinseln schaffen Atmosphäre. Ein Raum, der nur von oben gleichmässig ausgeleuchtet ist, wirkt flach. Mehrere Lichtquellen auf verschiedenen Höhen geben ihm Tiefe, und zwischen den hellen Inseln darf es auch dunkel bleiben. Gleichzeitig bildet Licht Zonen: Eine Leuchte über dem Tisch, eine neben dem Sessel, und schon wird aus einem Raum mehrere Orte, intime Bereiche.

Licht inszeniert. Mit Licht setze ich Schönes gezielt in Szene, und was weniger schön ist, darf im Hintergrund verschwinden. Erst im gekonnt gesetzten Streiflicht sieht man die Schönheit der groben Strukturen bei Leinen, Kalkputz und Holz richtig. Der Schatten ist dabei kein Mangel, er gehört zur Gestaltung dazu.

"Gutes Licht leuchtet nicht alles aus. Es entscheidet, was im Schatten bleiben darf."

Was Licht mit uns macht

Hinter dem Begriff Salutogenic Design steht eine einfache Frage: Was hält uns gesund und im Gleichgewicht? Übertragen auf Räume heisst das, ein Raum soll nicht nur schön aussehen, sondern auch zu unserem Wohlbefinden beitragen. Beim Licht wird das besonders deutlich.

Schlecht beleuchtete Räume sind nicht einfach weniger stimmungsvoll. Sie strengen die Augen an, lassen uns schneller ermüden, und wir können uns schlechter konzentrieren. Die richtige Beleuchtung ist also auch dazu da, dass es uns besser geht.

Licht gibt dem Tag einen Rhythmus. Tagsüber hell und eher kühl, am Abend tief und warm. Dieser Wechsel hilft uns, wach zu sein, wenn wir etwas tun, und später zur Ruhe zu kommen. Warmes, tiefes Licht schafft Geborgenheit: Wir rücken zusammen, sprechen leiser und bleiben länger sitzen. Deshalb gehört für mich an fast jede Leuchte ein Dimmer.

"Lampen ohne Dimmer sind wie Lautsprecher, bei denen man nur eine einzige Lautstärke einstellen kann."

asa fjellstad

Wer mit Licht gestaltet, gestaltet also immer auch den Schatten. Genau darin liegt die Ruhe, die einen Raum am Abend so angenehm macht.

 
 

SPACES & OBJECTS

Mehr als eine Lichtquelle

 

Licht entsteht nicht nur durch die richtige Planung, sondern auch durch Leuchten, die man gerne anschaut, wenn sie aus sind. Ein paar meiner Lieblinge stehen gerade bei mir im Laden.

Hozuki von Ay Illuminate
Kaum eine Leuchte in meinem Laden wird so oft bewundert wie die Hozuki. Ihr Schirm aus von Hand plissiertem Papier lässt das Licht weich und gleichmässig durchscheinen, und sie gibt dem Raum eine warme, ruhige Ausstrahlung. Für mich ein Stimmungslicht, wie es sein soll. Entworfen wurde sie von Ay Lin Heinen für das niederländische Label Ay Illuminate.

Daphine von Lumina (neu bei mir)
Für mich ist die Daphine die Leseleuchte schlechthin. In ihrer Schlichtheit unübertroffen, dezent und doch präsent, passt sie in jedes Ambiente. Sie ist ein echter Klassiker: Tommaso Cimini schuf den Prototyp 1975, damals noch Techniker bei Artemide, und gründete nach ihrem Erfolg 1980 seine eigene Firma Lumina. Als Daphine Terra steht sie als Stehleuchte neben dem Sessel und bringt das Licht genau dorthin, wo man liest.

Costantina von Mogg
Skulptur und Licht zugleich. Das Studio Nava+Arosio hat geometrische Formen übereinandergestapelt, die an eine Kette übergrosser Perlen erinnern. Am Tag ein Objekt, am Abend ein warmes, umhüllendes Licht.

Hiver von Mogg
Frostig und doch wunderbar stimmungsvoll. Die Hiver ist eine Familie von Hängeleuchten aus Glasharz, entworfen 2026 von Debonademeo. Die opalisierenden Hüllen mit ihren prismatischen Formen erinnern an vielflächige Kokons, wie Eis, das von innen leuchtet


shop edit — licht

Einen Online-Shop gibt es bei mir bewusst nicht. Meine Stücke sind zum Anfassen gemacht, nicht zum Anklicken. Komm vorbei und sieh selbst, wie sie leuchten.

 

SLOW NOTE

Geröstetes Herbstgemüse mit pochiertem Ei

Knuspriger Kürbis, goldene Kartoffeln, Chorizo mit Zitrone und obendrauf ein weiches Ei.

Ein einfaches Essen für die ersten dunklen Abende, das nach viel mehr aussieht, als es Arbeit macht.

Zutaten für 4 Personen

  • 150 g Butternusskürbis, in 2 cm grosse Würfel geschnitten

  • 150 g festkochende Kartoffeln, in 2 cm grosse Würfel geschnitten

  • 150 g Randen, roh, geschält und in 2 cm grosse Würfel geschnitten

  • 150 g Karotten, in 2 cm grosse Würfel geschnitten

  • 4 Bio-Eier

  • 50 g Chorizo

  • einige Zweige frischer Thymian oder glatte Petersilie

  • 1 Schalotte, halbiert und in feine Scheiben geschnitten

  • 2 Streifen Zitronenschale (unbehandelt), quer in feinste Streifen geschnitten

  • 1 Messerspitze fein gehackte Habanero-Chili (nach Belieben)

  • Maldon-Meersalz

  • frisch gemahlener Pfeffer

  • 3 EL Olivenöl extra vergine

  • 1 EL Weissweinessig

Zubereitung

Gemüse rösten
Den Ofen auf 220 Grad vorheizen. Kürbis, Kartoffeln, Randen und Karotten auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben, die Randen dabei etwas abseits, damit sie das übrige Gemüse nicht färben. Mit 2 EL Olivenöl beträufeln und mit Salz, Pfeffer und den abgezupften Blättchen von ein paar Thymianzweigen bestreuen. Wer es scharf mag, gibt jetzt die Habanero dazu. 25 bis 35 Minuten rösten, bis das Gemüse knusprig und goldbraun ist. Die Randen brauchen am längsten, mit einem Messer prüfen, ob sie weich sind.

Chorizo
In der Zwischenzeit die Haut der Chorizo abziehen und die Wurst in 5 mm dicke Scheiben schneiden. Einige Scheiben aufeinanderlegen und vierteln, so entstehen feine Stifte. 1 EL Olivenöl in einer kleinen Pfanne erhitzen, die Schalotte darin goldbraun anbraten. Die Chorizo dazugeben und 3 bis 5 Minuten mitbraten, bis sich ihr rotes Öl in der Pfanne löst. Die Zitronenzesten untermischen. Das geröstete Gemüse aus dem Ofen nehmen und mit der Chorizo-Mischung vermengen.

Eier pochieren
In einem mittleren Topf Wasser mit 1 EL Essig zum Sieden bringen. Das Wasser soll nur leicht simmern, nicht sprudeln. Ein Ei in eine kleine Schale aufschlagen. Mit dem Stiel eines Holzlöffels das Wasser kräftig in eine Richtung rühren, bis sich in der Mitte ein Strudel bildet. Das Ei vorsichtig in die Mitte gleiten lassen und etwa 5 Minuten garen. Mit einer Schaumkelle herausheben. Mit den übrigen Eiern gleich verfahren.

Anrichten
Gemüse und Chorizo auf Teller verteilen, je ein Ei daraufsetzen und mit Maldon-Salz, frischem Pfeffer und ein paar Thymian- oder Petersilienblättchen fertigstellen.

 

 

Back cover

come home. slow down.

 
 

Wenn du spürst, dass es Zeit ist für weniger Provisorium und mehr Zuhause: Schreib mir – wir finden eine stimmige Lösung.

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Studio Journal | issue 09/26 — Burrowcore: Warum dein Zuhause wieder Spuren tragen darf